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Wintercamping: campen bei Frost und Schnee

Für Wintercamping brauchst du ein gut isoliertes Fahrzeug oder ein winterfestes Schlafsystem, Gas mit hohem Propananteil und bei Glätte Winterreifen mit Alpine-Symbol. Der ADAC rechnet im Winter mit nur zwei bis drei Tagen je 11 Kilogramm Gas. Lüftungsöffnungen müssen frei bleiben, ein Kohlenmonoxid-Melder warnt vor dem geruchlosen Gas.

Ein weißer Wohnwagen auf einem verschneiten Campingplatz in der Dämmerung, warmes Licht in den Fenstern, dahinter verschneite Tannen
Bild: KI-generiert

Laut ADAC wächst die Zahl der Camper, die auch im Winter unterwegs sein wollen. Immer mehr Urlauber zieht es in der kalten Jahreszeit auf Stellplätze in den Bergen oder an winterliche Seen [1, 2]. Kälte bringt eigene Probleme mit: Gas verdampft schlechter, Wasser friert, Schnee verdeckt Lüftungsöffnungen, und auf glatter Straße gelten besondere Pflichten.

Plätze und Regionen im Winter

Ob ein Campingplatz im Winter geöffnet hat, steht in seinen Saisonzeiten; prüf sie vor der Reise auf der Website des Platzes. Beliebte Wintercampingplätze, etwa in den Alpen, sind laut ADAC oft früh ausgebucht, deshalb lohnt es sich, rechtzeitig zu reservieren [1]. Manche kommunale Wohnmobilstellplätze sind ganzjährig nutzbar. Der Stellplatz an der Obermühle in Bad Düben ist laut Satzung der Stadt das ganze Jahr geöffnet [14]. Welche Regeln auf solchen Plätzen gelten, steht unter Was auf Stellplätzen erlaubt ist.

Im Harz hängt das Winterwetter stark von der Höhe ab. Der Harzer Tourismusverband nennt für den Oberharz ein Jahresmittel von 5 bis 6 Grad und 1.000 bis 1.400 Millimeter Niederschlag im Jahr, in den Gipfellagen bis 1.800 Millimeter als Regen oder Schnee [13]. Auf dem Brocken liegt die Jahresdurchschnittstemperatur bei 3,5 Grad (Mittel 1981 bis 2010), im Winter kann es dort hohe Schneeverwehungen geben [13]. Der Unterharz im Osten liegt im Regenschatten des Brockens; er ist trockener, und die Temperaturen liegen nur 1 bis 2 Grad unter denen des Harzvorlandes [13]. Mehr zur Region steht unter Camping im Harz. Wer Camping und Radreise an der Elbe verbinden will, findet die passenden Monate unter Die beste Reisezeit für den Elberadweg.

Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt

Wer bei Frost und Schneefall unterwegs ist, sollte laut ADAC auf eine gute Isolierung des Aufbaus, isolierte Fenster und eine ausreichend starke Heizung achten. Bei Wohnmobilen mit integriertem Fahrerhaus kann Kälte über einfach verglaste Fenster eindringen; dann helfen schwere Vorhänge oder Isoliermatten [1, 2].

Ein weißes Wohnmobil auf einem geräumten, verschneiten Stellplatz im Bergwald an einem klaren Wintermorgen
Bild: KI-generiert

Lohnt sich ein Wintercaravan?

Der ADAC hat 2019 im österreichischen Ötztal bei Temperaturen um minus 5 Grad Wohnwagen mit spezieller Winterausstattung getestet. Das Ergebnis: Für alle, die häufig in der kalten Jahreszeit campen, lohnt sich die Anschaffung. Wer nur gelegentlich unterwegs ist, kommt mit einem herkömmlichen Modell zurecht, muss aber mehr für Gas und Strom einplanen und etwas gegen Eis im Abwassertank tun [2]. Bei 5 Grad Außentemperatur sank die Raumtemperatur in einem handelsüblichen Sommercaravan in 200 Minuten von 20 auf 11 Grad. Die vier Wintermodelle brauchten dafür gut 250 bis mehr als 350 Minuten [2]. Wohnwagen halten laut ADAC 20 bis 30 Jahre und länger, deshalb hält der Club den Test auch für Gebrauchte für aussagekräftig [1, 2].

Welche Heizung

Wasserheizungen regeln die Temperatur laut ADAC gleichmäßiger als Luftheizungen, sie sind leiser und zugfrei, brauchen aber länger zum Aufheizen. Heizen mit Gas ist meist günstiger als mit Strom. Den rein elektrischen Betrieb der Wasserheizung empfiehlt der ADAC nur im Notfall, weil er schnell teuer wird [2].

Gas bei Minusgraden

Flüssiggas liegt in der Flasche unter Druck flüssig vor und muss verdampfen, bevor es brennt. Wie gut das bei Kälte klappt, hängt vom Siedepunkt ab: Propan siedet bei minus 42 Grad und Butan bei minus 0,5 Grad [15]. Für Isobutan nennt PiNCAMP minus 11,7 Grad [3]. Fällt die Temperatur unter null, kann Butan laut PiNCAMP nicht mehr verdampfen, und dieser Anteil bleibt ungenutzt in der Flasche. Dann zeigt die Füllstandsanzeige noch halb voll, während Heizung, Kühlschrank und Herd schon ausgehen [3].

Zwei graue Gasflaschen nebeneinander im offenen Gasfach eines weißen Wohnwagens, auf dem Boden liegt etwas Schnee
Bild: KI-generiert

Laut PiNCAMP sind Sommergasflaschen meist mit 60 Prozent Butan und 40 Prozent Propan gefüllt. An zahlreichen Gastankstellen gibt es ein Wintergemisch aus 95 Prozent Propan und 5 Prozent Butan [3]. Der ADAC empfiehlt für den Winter ein Propan-Butan-Gemisch, das auch bei Minusgraden gasförmig bleibt [1, 2].

Im Winter ist der Verbrauch deutlich höher. Der ADAC rechnet damit, dass 11 Kilogramm Gas nur etwa zwei bis drei Tage reichen [2]. Ein Zweiflaschensystem mit automatischer Umschaltung gehört deshalb im Winter zur Grundausstattung; ein elektrischer Regler-Heizer verhindert, dass die Gasanlage einfriert [1, 2]. Die fest eingebaute Gasanlage muss der Halter nach § 60 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung alle 24 Monate nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 607 prüfen lassen [6].

Kohlenmonoxid und Lüften

Kohlenmonoxid entsteht, wenn Holz, Kohle, Heizöl oder Gas unvollständig verbrennen. Das Gas ist farb- und geruchlos, und Rauchmelder zeigen es nicht an [7]. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verursacht Kohlenmonoxid in Deutschland jedes Jahr mehrere tausend Vergiftungen, darunter mehrere hundert Todesfälle [7]. Das Institut erhält immer wieder Meldungen über Vergiftungen durch Geräte, die nur für draußen bestimmt sind, aber in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen betrieben werden. Dazu gehören Notstromaggregate, gasbetriebene Heizstrahler sowie Holzkohle- und Gasgrills [7]. Ein geschlossenes Zelt, ein Vorzelt oder ein Fahrzeug ist ein solcher Raum, deshalb gehören diese Geräte dort nicht hinein.

Leichte bis mittelschwere Vergiftungen zeigen sich unter anderem durch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Kurzatmigkeit [7]. Bei schweren Vergiftungen muss sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Bei leichten Beschwerden und in unklaren Fällen empfiehlt das BfR, zunächst ein Giftinformationszentrum anzurufen [7]. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rät, nur Kohlenmonoxid-Melder zu kaufen, die nach DIN EN 50291-1 geprüft sind. Für den Einsatz im Campingwagen oder Boot sollte der Melder zusätzlich nach DIN EN 50291-2 geprüft sein [8]. Einen Rauchmelder ersetzt er nicht [8].

Lüften gehört auch bei Frost dazu. Der ADAC rät, die Be- und Entlüftungsöffnungen nicht zuschneien zu lassen und die Dachluke immer einen Spalt offen zu halten, damit die Luft zirkuliert [2]. Ein Vorzelt schützt vor Schneeverwehungen und dient als Lager und Trockenraum für nasse Kleidung. So kommt weniger Feuchtigkeit ins Fahrzeug [2].

Strom und Wasser bei Frost

Am Stromanschluss des Platzes kannst du zusätzlich elektrisch heizen. Das Kabel muss so liegen, dass der Schneepflug es nicht beschädigen kann [2]. Eine Kabeltrommel rollst du laut Touring Club Schweiz immer ganz ab, damit das Kabel nicht überlastet wird oder überhitzt [10]. Wie stark eine Säule abgesichert ist und wie viele Geräte gleichzeitig laufen dürfen, erklärt Strom beim Camping.

Solange das Fahrzeug beheizt wird und alle Wasservorräte innen liegen, friert laut ADAC nichts ein [2]. Kritisch ist ein Abwassertank, der ohne Dämmung oder Heizung unter dem Fahrzeug hängt. Der ADAC rät dann, den Ablasshahn offen zu lassen und das Wasser direkt in einem Eimer aufzufangen. So lässt es sich auch als Eisblock noch entsorgen [2]. Wie Frischwasser, Abwasser und Toilette sonst funktionieren, steht unter Wasser und Toilette beim Camping.

Warm schlafen im Zelt

Im Zelt hängt eine Winternacht an Schlafsack und Isomatte. Die Temperaturangaben auf Schlafsäcken beruhen auf der Norm DIN EN ISO 23537-1 [11]. Die Komforttemperatur gibt an, bis zu welcher Außentemperatur eine durchschnittliche Frau (25 Jahre, 60 Kilogramm, 1,60 Meter) in entspannter Haltung bequem schlafen kann. Die Limittemperatur gilt für einen durchschnittlichen Mann (25 Jahre, 70 Kilogramm, 1,73 Meter) und liegt darunter [11]. Der Händler Bergzeit empfiehlt, sich auch als Mann an der Komforttemperatur zu orientieren und dabei von der niedrigsten möglichen Nachttemperatur am Ziel auszugehen [11].

Ein kleines Kuppelzelt im Schnee bei Sonnenaufgang, ein Mann mit Wintermütze sitzt im Schlafsack im Zelteingang
Bild: KI-generiert

Gegen die Kälte von unten schützt die Isomatte. Ihr R-Wert sollte zur Komforttemperatur des Schlafsacks passen [11]. Bergzeit veröffentlicht dazu grobe Richtwerte; es sind Orientierungswerte, keine Normangaben [12].

R-Wertbis etwaEinsatz laut Bergzeit
3minus 5 GradFrühling bis Herbst und gemäßigte Winternächte [12]
4minus 11 Gradalle Jahreszeiten, Biwaks im alpinen Umfeld [12]
5minus 17 GradWinterbiwaks [12]
6minus 24 GradWinter und Expeditionen [12]

Reicht der Schlafsack knapp nicht, helfen warme Unterwäsche und Socken, bei großer Kälte auch Mütze und Schal. Ein Inlett aus Fleece oder Merino bringt laut Herstellerangaben fünf bis acht Grad mehr; Inletts aus Baumwolle oder Seide wärmen nicht [11]. Wie du Schlafsack und Matte auswählst, steht ausführlich unter Schlafsack und Isomatte richtig wählen.

Fahren und Stehen bei Schnee

Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darfst du ein Kraftfahrzeug nur fahren, wenn alle Räder mit Winterreifen ausgerüstet sind [4]. Als solche gelten nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung Reifen mit dem Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke [5]. Ein festes Datum nennt die Straßenverkehrs-Ordnung für diese Pflicht nicht; sie hängt an den Straßenverhältnissen [4]. Der ADAC hält Winterreifen für Zugfahrzeug und Wohnmobil für zwingend notwendig, empfiehlt mindestens 4, besser 5 Millimeter Profiltiefe und rät, Schneeketten mitzunehmen [1, 2].

Auf dem Platz suchst du dir einen gut geräumten Stellplatz. Unter die Hubstützen gehören ausreichend große Bretter, damit sie bei Tauwetter nicht einsinken und der Wagen nicht kippt. Sobald der Wohnwagen abgestützt ist, löst du die Handbremse, damit sie nicht festfriert; beim Wohnmobil legst du einen Gang ein und löst ebenfalls die Handbremse [2].

Schneit es kräftig, räumst du das Dach regelmäßig ab, denn vor allem nasser Schnee kann schnell tonnenschwer werden. Einige Zentimeter Pulverschnee schaden nicht und isolieren sogar. Vor der Abfahrt räumst du Schnee und Eis vom Dach, damit nachfolgende Fahrzeuge nicht gefährdet werden [2].

  1. Organisation Wintercamping: Gut vorbereitet in die kalte Jahreszeit (Pressemitteilung). ADAC e.V.. Stand 28.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Winterfeste Wohnwagen: ADAC Test und Experten-Tipps fürs Wintercamping. ADAC. Stand 08.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Wintergas beim Camping: So heizt du in der kalten Jahreszeit (Selim Baykara). PiNCAMP by ADAC. Stand 31.10.2024. abgerufen am 29.10.2026
  4. Gesetz Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 2 Absatz 3a Straßenbenutzung durch Fahrzeuge. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  5. Gesetz Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36 Absatz 4 Reifen für winterliche Wetterverhältnisse. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  6. Gesetz Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 60 Flüssiggasanlagen in Fahrzeugen. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Kohlenmonoxid: unsichtbare Gefahr beim Heizen mit Holz (Presseinformation 38/2022). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 13.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation So vermeiden Sie eine Kohlenmonoxidvergiftung. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dieversicherer.de. Stand 25.11.2024. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Brandschutzmerkblatt 36: Betreiben von Flüssiggasanlagen. Stadt Zwickau, Feuerwehramt. Stand Stand 12/2022. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Stromversorgung auf dem Campingplatz. Touring Club Schweiz (TCS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Schlafsack-Temperatur: So findest Du Deinen Komfortbereich (Franziska von Treuberg). Bergzeit Magazin. Stand 18.07.2024. abgerufen am 29.10.2026
  12. Organisation R-Wert bei Isomatten (Arnold Zimprich). Bergzeit Magazin. Stand 02.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  13. Organisation Das Wetter im Harz. Harzer Tourismusverband e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Gesetz Satzung über die Benutzung des "Wohnmobilstellplatzes an der Obermühle" in Bad Düben, § 2 Absatz 3. Stadt Bad Düben. Stand 17.05.2024. abgerufen am 29.10.2026
  15. Fachgesellschaft Empfehlung für den Feuerwehreinsatz bei Gefahr durch Flüssiggas (Merkblatt 10-07). Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb), Technisch-Wissenschaftlicher Beirat. Stand März 2024. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.