Unterwegs und auf dem PlatzRatgeber
Nachhaltig campen und Müll vermeiden
Bei der Anreise unterscheiden sich die Verkehrsmittel stark: Ein durchschnittlicher Pkw kommt laut Umweltbundesamt auf 164 Gramm je Personenkilometer, die Bahn im Fernverkehr auf 26 Gramm. Auf dem Platz vermeidest du Müll mit Mehrweggeschirr und Trinkflaschen, Batterien gibst du im Handel zurück, und Grauwasser und Toiletteninhalt leerst du nur an Entsorgungsstationen.

Camping gilt als naturnaher Urlaub, und viele Reisende wollen umweltbewusst unterwegs sein. Laut Umweltbundesamt (UBA) wünschten sich 2024 49 Prozent der Deutschen ökologisch verträgliche Reisen, 7 Prozentpunkte mehr als 2019 [2]. Gebucht wurden Angebote mit Nachhaltigkeitskennzeichnung 2023 allerdings nur bei 11 Prozent der Urlaubsreisen, und den Ausgleich von CO2 nutzten Reisende bei 5 Prozent [2]. Ausschlaggebend war Nachhaltigkeit nur bei 3 Prozent der Reisen, bei weiteren 17 Prozent war sie einer von mehreren Gründen [2]. Zwischen Wunsch und Urlaub liegen also oft nur ein paar Entscheidungen: wie du anreist, welchen Platz du wählst, was du einpackst und wie du entsorgst. Wie du dich in Nationalparks und Naturschutzgebieten verhältst, steht unter Camping in Schutzgebieten.
Anreise und Mobilität vor Ort
Wie viel Treibhausgas die Anreise verursacht, hängt stark vom Verkehrsmittel ab. Für das Jahr 2024 nennt das UBA im Personenfernverkehr durchschnittlich 164 Gramm CO2-Äquivalente je Personenkilometer für den Pkw, 30 Gramm für den Fernlinienbus, 26 Gramm für die Bahn im Fernverkehr und 290 Gramm für Inlandsflüge [1]. Ein Wohnmobil kommt in dieser Aufstellung nicht vor. Der Fernlinienbus liegt mit 30 Gramm fast gleichauf mit der Bahn, ein Inlandsflug verursacht je Kilometer fast doppelt so viel wie das Auto [1].

Für Badereisen hat das ifeu-Institut im Auftrag des UBA (Studie von 2020) die mobilitätsbedingten Emissionen je Person an Beispielen berechnet, einschließlich der Mobilität vor Ort: an die polnische Ostsee mit dem Wohnmobil (zwei Personen, rund 1.000 Kilometer hin und zurück) 238 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Person, an die italienische Adria mit der Bahn 85 Kilogramm und mit dem Flugzeug 237 Kilogramm, an die türkische Riviera mit dem Flugzeug 897 Kilogramm [1]. Die Beispiele haben unterschiedliche Ziele und Entfernungen und sind deshalb kein direkter Vergleich der Verkehrsmittel. Sie zeigen aber die Größenordnung: In diesem Beispiel verursacht die Wohnmobilreise an die Ostsee mit 238 Kilogramm etwa so viel wie der Flug an die Adria mit 237 Kilogramm.
Wer mit Zelt oder Wohnmobil unterwegs ist, kann trotzdem etwas tun. Ein Ziel in der Nähe verkürzt die Strecke, längere Aufenthalte an einem Ort sparen Fahrten zwischen den Plätzen, und vor Ort bleibt das Fahrzeug stehen. Viele Urlaubsregionen bieten laut UBA spezielle Urlaubstickets oder Gästekarten, mit denen du Busse und Bahnen vor Ort ermäßigt oder kostenlos nutzt [7]. Ein Zeltplatz an einem Fluss oder Radweg lässt sich oft auch mit Bahn und Rad erreichen. Wer außerhalb der Ferien fährt, entlastet außerdem volle Regionen: Laut UBA erlebten 44 Prozent der Urlauber einzelne Situationen im Urlaub als zu voll [2]. Ideen für Plätze in der Nähe findest du unter Campingregionen in Mitteldeutschland, Etappen mit Bahnanschluss unter Anreise mit der Bahn und Fahrradmitnahme.
Einen Platz mit Umweltzeichen wählen
Für Campingplätze gibt es das EU Ecolabel, das europäische Umweltzeichen für Beherbergungsbetriebe. Im Mittelpunkt stehen laut Vergabestelle die Einsparung von Wasser, Abwasser und Energie und die Vermeidung von Abfall [3]. Zu den 22 Pflichtkriterien für Campingplätze gehören ein Verbot von Heizgeräten und Klimaanlagen für Außenbereiche sowie energie- und wassersparende Ausstattung; Ökostrom und ökologische Reinigungsmittel sind unter anderem optional [3]. Beim Abfall verlangen die Kriterien für Beherbergungsbetriebe den Verzicht auf Portionsverpackungen bei unverderblichen Lebensmitteln und auf Wegwerf-Toilettenartikel, sofern Gäste sie nicht verlangen, und eine Abfalltrennung; dazu kommen Informationen für Gäste zur umweltfreundlichen Anreise [3]. Wo der Betrieb Essen anbietet, gibt es einen Plan, um Lebensmittelabfälle zu verringern, und optional Vorgaben zu regionalen und saisonalen Speisen; Handtücher und Bettwäsche werden nicht täglich gewechselt, wenn Gäste nicht ausdrücklich darum bitten [3]. Ein Umweltmanagementsystem mit Schulungen für Personal und Gäste und eine Überwachung des Verbrauchs je Gast und Nacht gehören ebenfalls dazu [3].
In Deutschland vergibt die RAL gGmbH die Lizenznummern; die Website des Umweltzeichens listet die deutschen Lizenznehmer, darunter Campingplätze [3]. Der EU-weite Katalog ECAT führt zertifizierte Betriebe, kann aber unvollständig sein, weil die Eintragung nicht verpflichtend ist [3].
Müll auf dem Platz vermeiden
Seit Einwegteller, Einwegbesteck, Trinkhalme und Rührstäbchen aus Kunststoff sowie Becher und Lebensmittelbehälter aus Styropor nach der Einwegkunststoffverbotsverordnung nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen, fällt ein Teil des typischen Picknickmülls schon weg [4]. Ersatzprodukte aus Pappe oder Holz bleiben aber Einwegware. Weniger Abfall entsteht, wenn du Geschirr, Besteck und Becher mitbringst, die du nach dem Essen abspülst.

Wie du Lebensmittel ohne Kühlschrank frisch hältst und mit wenig Gepäck kochst, steht unter Kochen beim Camping.
Abfall trennen und richtig entsorgen
Wie getrennt wird, legt jeder Platz fest. Achte bei der Ankunft auf die Sammelstelle und frag an der Rezeption, welche Tonnen es gibt und wohin Glas, Papier, Verpackungen und Bioabfall kommen. Auf manchen Plätzen gibt es nur Restmüll, dann nimmst du Wertstoffe am besten wieder mit nach Hause.

Leere Batterien und Akkus gehören nie in den Restmüll. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass alle leeren Batterien und Akkus zurückgegeben werden müssen [6]. Händler, die Gerätebatterien verkaufen, müssen Altbatterien nach § 14 des Batterierecht-Durchführungsgesetzes im Geschäft oder in unmittelbarer Nähe kostenlos zurücknehmen, unabhängig von der Marke, beschränkt auf Batteriearten, die sie führen oder geführt haben, und auf haushaltsübliche Mengen [5]. Auf dem Platz sammelst du verbrauchte Batterien von Taschenlampe, Stirnlampe oder Funkthermometer in einer kleinen Dose und gibst sie beim nächsten Einkauf im Supermarkt ab. Kleine Elektrogeräte mit fest eingebautem Akku gehören laut Verbraucherzentrale an Sammelstellen für Elektro-Altgeräte oder zum Händler [6]. Auch eine verbrauchte Starterbatterie aus Wohnmobil oder Zugfahrzeug gibst du kostenlos zurück; wer beim Kauf einer neuen keine Altbatterie abgibt, zahlt laut Verbraucherzentrale 7,50 Euro Pfand [6]. Akkus von E-Bikes und E-Scootern gehen dorthin zurück, wo sie gekauft wurden [6].
Grauwasser und Toilette
Im Wohnmobil sammelt sich Duschwasser und Küchenabwasser in einem eigenen, fest eingebauten Tank, der an Campingplätzen oder Wohnmobilstellplätzen entleert wird [8]. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) betont, dass weder Toilettenabwasser noch Grauwasser in den Gully gehört, auch nicht nach der Rückkehr zu Hause [8]. Auch das Entleeren der Toilettenkassette in die heimische Toilette ist laut LfU nicht überall ratsam, weil die chemischen Zusätze in kleinen Kläranlagen die Bakterien schädigen können, die für die biologische Reinigung wichtig sind [8]. Die Entsorgungsstation auf dem Platz ist deshalb der richtige Ort.
Wie du Kassette und Grauwassertank leerst und welche Toilettenarten es gibt, erklärt Wasser und Toilette beim Camping.
Strom, Gas und Wasser sparen
Auf dem Platz verbrauchst du Strom an der Säule, Gas für Kocher und Heizung und Wasser für Dusche und Abwasch. Wer weniger braucht, muss weniger tanken, nachfüllen und entsorgen. Mit kurzen Duschen, einer Spülschüssel statt laufendem Wasser und einem Deckel auf dem Topf sparst du an allen drei Stellen. Wie viel Strom einzelne Geräte ziehen und wie du deinen Bedarf rechnest, steht unter Strom beim Camping.
Auch das Umweltzeichen setzt hier an: Die Kriterien für Beherbergungsbetriebe sehen Grenzwerte für Wasserhähne und Toilettenspülungen vor und verbieten das Heizen und Kühlen von Außenbereichen [3]. Für deinen eigenen Stellplatz heißt das: Ein Heizstrahler unter dem offenen Vorzelt wärmt vor allem die Umgebung. Ein dickerer Pullover oder ein wärmerer Schlafsack spart an kühlen Abenden Gas und Strom.
Spuren in der Natur vermeiden
Auch rund um den Platz gilt: Was du mitbringst, nimmst du wieder mit. In den Nationalparks Harz und Sächsische Schweiz gehört es zu den Verhaltensregeln, den eigenen Müll wieder mitzunehmen; die Verwaltung im Harz weist darauf hin, dass Verpackungen Wildtiere gefährden [9, 10]. Bleib auf den Wegen, pflück in Schutzgebieten keine Pflanzen und lass Tiere in Ruhe. Was in Schutzgebieten im Einzelnen erlaubt ist, steht unter Camping in Schutzgebieten.
- Behörde Mobilität: Treibhausgas-Emissionen im Personenfernverkehr und für Badereisen. Umweltbundesamt. Stand 30.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen. Umweltbundesamt, nach Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Stand 08.04.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Produktwelten Beherbergungsbetriebe. EU Ecolabel Deutschland (Umweltbundesamt und RAL gGmbH). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Einwegkunststoffverbotsverordnung (EWKVerbotsV), § 3 Verbote des Inverkehrbringens. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG), § 14 Rücknahmepflichten der Vertreiber. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Nach Gebrauch zurück: Rückgabepflicht für Batterien und Akkus. Verbraucherzentrale. Stand 15.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Mit Bus und Bahn sicherer und umweltfreundlicher unterwegs. Umweltbundesamt. Stand 10.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Umweltbewusstes Camping für saubere Gewässer (Pressemitteilung Nr. 10/2025). Bayerisches Landesamt für Umwelt. Stand 11.04.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Verhaltensregeln im Nationalpark Harz. Nationalparkverwaltung Harz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Verhalten und Regeln. Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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