Ausrüstung fürs CampingRatgeber

Schlafsack und Isomatte richtig wählen

Beim Schlafsack zählt die Komforttemperatur nach DIN EN ISO 23537-1: Bis zu dieser Temperatur schläft eine Standardfrau entspannt. Die Isomatte wählst du nach ihrem R-Wert, der nach ASTM F3340 gemessen wird; je höher er ist, desto besser schützt sie vor Bodenkälte. Beide Werte gehören zusammen, weil die Schlafsackangaben auf einer gut isolierenden Matte gemessen werden.

Ein Schlafsack auf einer dicken Isomatte in einem Kuppelzelt, die Tür offen zu einer nebligen Wiese im Morgengrauen
Bild: KI-generiert

Wer im Zelt friert, sucht den Fehler oft beim Schlafsack. Häufig liegt er darunter: Eine dünne Matte lässt die Wärme in den Boden ziehen, und der Schlafsack wird unter dem Körpergewicht flach gedrückt. Für beide Teile gibt es inzwischen genormte Angaben. Schlafsäcke tragen Temperaturwerte nach DIN EN ISO 23537-1, Isomatten einen R-Wert nach der Prüfnorm ASTM F3340. Wer diese Zahlen lesen kann, vergleicht Modelle verschiedener Hersteller ohne Werbeversprechen.

Die drei Temperaturangaben auf dem Etikett

Die Norm für Schlafsäcke liegt in Deutschland als DIN EN ISO 23537-1 vor. Die aktuelle Ausgabe stammt vom Oktober 2022 und hat die Ausgabe vom Mai 2018 ersetzt [1]. Sie gilt für Schlafsäcke für Erwachsene in Sport und Freizeit, deren Grenztemperatur bei minus 20 Grad oder höher liegt [1].

Raureif auf dem Gras vor einem kleinen Zelt bei Sonnenaufgang, eine Frau sitzt in einen Schlafsack gehüllt im Zelteingang
Bild: KI-generiert

Gemessen wird mit einer beheizten Puppe voller Temperaturfühler. Sie trägt eine lange Unterwäsche, liegt im Schlafsack auf einer isolierenden Matte und kommt in eine Klimakammer. Aus der Energie, die nötig ist, um die Puppe auf ihrer Temperatur zu halten, ergeben sich die Werte [3].

AngabeBezugspersonWas sie bedeutet
KomforttemperaturStandardfrauBis zu diesem Wert schläft sie in entspannter Haltung bequem [3].
LimittemperaturStandardmannEr schläft acht Stunden zusammengerollt, ohne aufzuwachen [3].
ExtremtemperaturStandardfraureiner Überlebenswert, starkes Kältegefühl und Gefahr der Unterkühlung [3]

Beide Bezugspersonen sind laut Norm-Erläuterungen 25 Jahre alt. Die Standardfrau ist 1,60 Meter groß und wiegt 60 Kilogramm, der Standardmann ist 1,73 Meter groß [3, 4]. Der Bergsporthändler Bergzeit beschreibt die Extremtemperatur als Schutz vor dem Erfrieren für etwa sechs Stunden, an Schlaf sei dabei nicht zu denken [4].

Welche Angabe für den Kauf zählt

Für die Auswahl empfiehlt Bergzeit die Komforttemperatur, ausdrücklich auch für Männer [4]. Australian Hiker, eine australische Wanderseite, schreibt, dass Menschen, die nachts eher warm haben, die Limittemperatur als untere Grenze nehmen können [3]. Vergleiche den Wert mit der Temperatur, die nachts am Ziel zu erwarten ist, und nicht mit der Tageshöchsttemperatur.

Ein Beispiel: Für ein Wochenende im Mai sagt der Wetterbericht nachts 4 Grad voraus. Ein Schlafsack mit einer Komforttemperatur von 8 Grad und einer Limittemperatur von 3 Grad reicht dann nur für Menschen, die nachts wenig frieren, und auch für sie nur zusammengerollt. Wer leicht friert, greift zu einem Modell, dessen Komforttemperatur bei 4 Grad oder darunter liegt.

Die Angabe auf dem Etikett gilt nur für einen trockenen Schlafsack. Ein klammer Schlafsack isoliert schlechter [4]. Dazu kommen Faktoren, die keine Norm erfasst: Tagesform, persönliches Kälteempfinden, Klimazone und Jahreszeit [4].

Auch die Messung selbst hat Grenzen. Der Hersteller Sea to Summit weist darauf hin, dass sich die Puppe nicht bewegt. Kältestellen durch Knie oder Hüfte, die den Schlafsack zusammendrücken, gibt es im Labor deshalb nicht. Kapuze und Wärmekragen spielen im Test keine Rolle, und sehr schmale Mumienschlafsäcke schneiden im Labor gut ab, draußen womöglich schlechter [5]. Bei der Prüfung liegt die Puppe auf einer Matte mit einem R-Wert über 5. Ist deine Matte schwächer, erreicht der Schlafsack seine Normwerte möglicherweise nicht [5].

Schlafsäcke für Kinder

Für Kinder gibt es keine vergleichbaren Normwerte. Die Norm schließt Schlafsäcke für Kinder und Babys ausdrücklich aus. Begründung: Für ihre Grenztemperaturen gibt es kein Vorhersagemodell, und die nötigen Schlafversuche mit Kindern sind aus ethischen Gründen nicht zulässig [2]. Temperaturangaben auf Kinderschlafsäcken stammen deshalb vom Hersteller selbst. Worauf du bei den Kleinsten achtest, steht unter Camping mit Baby und Camping mit Kleinkindern.

Daune oder Kunstfaser

Die Füllung entscheidet über Gewicht, Packmaß und Verhalten bei Nässe. Laut dem Campingmagazin CamperStyle braucht ein Daunenschlafsack nur halb so viel Platz wie der gleiche Schlafsack mit Kunstfaser [9]. Kunstfaser ist schwerer und größer im Packmaß, nimmt aber kaum Feuchtigkeit auf, behält nass ihre Bauschkraft und trocknet schnell [9]. Daune verträgt Feuchtigkeit dagegen schlecht und verliert dann an Wärmeleistung. Deshalb sollten Daunen auf Reisen regelmäßig gelüftet werden [9].

Fährst du mit dem Auto auf den Platz, spielen Gewicht und Packmaß eine kleinere Rolle als bei einer Radtour. Schläfst du oft in feuchten Zelten, spricht das Verhalten bei Nässe eher für Kunstfaser. Bergzeit nennt für große Temperaturspannen außerdem eine Kombination: innen ein Daunenschlafsack, außen ein Kunstfaserschlafsack, um Kondens- und Frostprobleme zu umgehen [4].

Form und Länge

Die Mumienform ist körpernah geschnitten und wird zum Fuß hin schmaler. Das spart Material, Gewicht und Packmaß, und der kleine Innenraum hält die Wärme besser [9]. Ein Deckenschlafsack lässt sich ganz öffnen und gibt mehr Bewegungsfreiheit, der große Fußraum ist aber ein kalter Hohlraum [9]. Bei der Länge rät CamperStyle zu einem Schlafsack, der "so lang wie nötig und so kurz wie möglich" ist [9]. Ist er zu kurz, wird die Füllung am Fußende zusammengedrückt. Ist er zu lang, muss dein Körper einen leeren Raum mitheizen [9].

Isomatte und R-Wert

Der R-Wert gibt an, wie gut eine Isomatte Wärme zurückhält. Je höher die Zahl, desto besser isoliert die Matte gegen den kalten Boden [6]. Gemessen wird nach der Prüfnorm ASTM F3340: Die Matte wird unter Druck zwischen eine warme und eine kalte Platte geklemmt. Die warme Platte steht für den Körper, die kalte für den Untergrund. Aus der Energie, die die warme Platte braucht, um ihre Temperatur zu halten, ergibt sich der R-Wert [6].

Drei verschiedene Isomatten nebeneinander auf einem Holzboden: Schaumstoffmatte, selbstaufblasende Matte und dicke Luftmatte
Bild: KI-generiert

Laut Cascade Designs, dem Hersteller der Marke Therm-a-Rest, der an der Norm mitgearbeitet hat, wurde sie 2019 unter der Bezeichnung ASTM F3340-18 veröffentlicht [7]. Das Outdoor-Magazin schreibt, der Standard gelte seit Anfang 2020 [6]. Vorher gab es kein einheitliches Verfahren, die Angaben verschiedener Hersteller ließen sich kaum vergleichen [6]. Ältere R-Werte und solche ohne Normangabe sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.

Wie viel R-Wert du brauchst, hängt von der Jahreszeit ab. Die folgende Tabelle gibt die Orientierung wieder, die Bergzeit veröffentlicht. Es sind grobe Richtwerte, keine Normangaben [8].

R-Wertbis etwaEinsatz laut Bergzeit
1plus 7 GradSommercamping
2plus 2 GradCamping im Frühling und Herbst
3minus 5 Gradganzjährig, milde Winternächte
4minus 11 GradBiwak im Gebirge
5minus 17 GradWinterbiwak
6minus 24 GradExpeditionen

Mattenarten

Bergzeit unterscheidet Schaumstoffmatten, selbstaufblasende Matten, aufblasbare Matten mit Daune oder anderer Isolierung und reine Luftmatten [8]. Matten mit höherem R-Wert sind meist bequemer, brauchen aber mehr Platz im Gepäck [8]. Zwei Matten übereinander helfen in kalten Nächten, etwa eine dünne Sommermatte auf einer mittelstarken Matte. Laut Bergzeit addieren sich die R-Werte dabei aber nicht einfach [8].

Wärmer schlafen mit wenig Aufwand

Reicht der Schlafsack knapp nicht, helfen einfache Mittel. Bergzeit nennt zusätzliche Kleidungsschichten, warme Socken und bei großer Kälte Mütze und Schal [4]. Ein Inlett im Schlafsack bringt laut Herstellerangaben ein Wärmeplus von fünf bis acht Grad. Geeignet sind Fleece oder Merino, Baumwolle und Seide eher nicht [4]. Weitere Möglichkeiten sind ein atmungsaktiver Biwaksack als Hülle, zwei ineinander gesteckte Schlafsäcke oder eine warme Wasserflasche, eingewickelt in einen Pullover [4]. Was bei Frost im Zelt sonst noch wichtig ist, steht unter Wintercamping.

Pflege und Lagerung

Der Rucksackhersteller Deuter rät, den Schlafsack nach jedem Gebrauch auszuschütteln und an einem trockenen Ort zu lüften, am besten auf links gedreht [10]. In den Packsack darfst du ihn stopfen. Das schont laut Deuter Kunstfaser und Daune, weil beim Einrollen immer dieselben Stellen knicken und dort mit der Zeit an Isolation verlieren [10]. Der Packsack ist für den Transport gedacht und schützt vor Schmutz und Spritzwasser. Am Schlafplatz nimmst du den Schlafsack heraus und schüttelst ihn auf [10].

Ein auf links gedrehter Schlafsack hängt zum Lüften über einem Wäscheständer in einem hellen Zimmer
Bild: KI-generiert

Waschen solltest du einen Schlafsack laut Deuter so selten wie möglich und so oft wie nötig, und vorher das Waschetikett lesen [10]. Ein Inlett oder Funktionswäsche hält Schweiß und Schmutz von der Füllung fern und verlängert die Zeit bis zur nächsten Wäsche [10].

Zu Hause gehört der Schlafsack sofort aus dem engen Packsack. Deuter empfiehlt einen großen Aufbewahrungssack, in den er lose zusammengelegt oder locker gestopft kommt, und einen trockenen, dunklen Ort wie den Kleiderschrank, nicht den feuchten Keller [10].

Was außer Schlafsack und Matte ins Gepäck gehört, stellt die Camping-Packliste zum Abhaken zusammen. Wer statt im eigenen Zelt in Pensionen und auf Zeltwiesen entlang eines Flusses übernachtet, findet Hinweise unter Übernachten am Elberadweg. Für den ersten Urlaub im Zelt hilft Zelten: Camping mit dem Zelt.

  1. Gesetz DIN EN ISO 23537-1: Anforderungen an Schlafsäcke, Teil 1: Thermische Anforderungen, Masse und Abmessungen. DIN Media. Stand Oktober 2022. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gesetz DIN EN ISO 23537-1: Anforderungen an Schlafsäcke, Teil 1 (Ausgabe 2018, zurückgezogen). DIN Media. Stand Mai 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. ISO 23537-1:2022 (sleeping bag temperature rating). Australian Hiker. Stand 13.04.2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Temperaturangaben beim Schlafsack: Komfort, Limit und Extrem. Bergzeit Magazin, Franziska von Treuberg. Stand 18.07.2024. abgerufen am 29.10.2026
  5. Temperaturangaben nach ISO 23537 (nach Angaben von Sea to Summit). outdoortrends.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Internationaler Standard für Wärmedämmung bei Isomatten. Outdoor-Magazin. Stand 02.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation The ASTM R-Value Standard: Rating Sleeping Pad Insulation. Cascade Designs (Therm-a-Rest), Keith Erps. Stand 25.04.2023. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation R-Wert bei Isomatten. Bergzeit Magazin, Arnold Zimprich. Stand 02.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Ratgeber: Wie du deinen perfekten Schlafsack findest. CamperStyle, Jalil Landero Flores. Stand 18.08.2026. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Schlafsack richtig einpacken und lagern. Deuter. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.